In den vergangenen Wochen konzentrierten sich die Nachrichten auf China. Viele Anleger äußerten Bedenken über die Geschwindigkeit des Wirtschaftswachstums und darüber, ob 7 Prozent erreicht werden können, und man machte sich Gedanken über die kürzliche Entscheidung der Regierungsbehörden zur Abwertung des Yuan. All dies traf auf eine grundsätzlich vorherrschende Nervosität, die mit den Spekulationen über einen neuen Zinszyklus in den USA einhergeht, die mit den US-Arbeitsmarktdaten in der letzten Woche neues Futter erhielten. Für die Experten von Barings Asset Management bietet die Volatilität in China den Anlegern neue Chancen. Wir stellen die Analyse vor.
Nach den Einbrüchen im Juni und Juli kam es am chinesischen Markt zu übermäßigen Verkäufen. Seit Jahresbeginn ist der MSCI China Index um 12 Prozent in USD gefallen und befindet sich somit wieder auf dem Niveau von Mitte des Jahres 2014. Obwohl sich die Schlagzeilen auf China konzentrieren, sollte für einen umfassenden Zusammenhang erwähnt werden, dass die Risikobereitschaft auf breiterer Ebene zurückgegangen ist. Der MSCI Asia ex Japan Index und der MSCI Global Emerging Markets Index notierten im gleichen Zeitraum um 15,3 Prozent bzw. um 17,7 Prozent in USD schwächer. Insofern hat es den chinesischen Markt nicht am schlimmsten getroffen.
Laut Barings sollte dies als Teil einer grundsätzlichen Reduzierung der Risikobereitschaft angesichts eines neuen Zinszyklus betrachtet werden. Die unmittelbare Ursache liegt in Chinas Wirtschaftswachstum, jedoch ist dies nicht der einzige Grund. Die Experten sind davon überzeugt, dass der Rückgang nicht durch die Fundamentaldaten gerechtfertigt wird und dass durch die Konzentration auf bestimmte wirtschaftliche Datenpunkte der Umfang der Veränderung in Chinas Wirtschaft der letzten Jahre sowie die Entstehung neuer Wachstumstreiber dort nicht ausreichend erfasst werden.
Das Alte weicht, das Neue kommt
Die größte Sorge für Anleger liegt in der Frage, ob sich die Geschwindigkeit des Wirtschaftswachstums in China, ausgehend von dem Ziel der Regierung von 7 Prozent, noch weiter verlangsamt. Dafür werden weitläufig Indikatoren beobachtet wie beispielsweise die Stromnachfrage und die Stahlproduktion. Laut Barings ist das Wirtschaftswachstum nicht zwangsläufig ein guter Maßstab für Aktienerträge, die weitaus mehr von unternehmensspezifischen Faktoren abhängen. Darüber hinaus lässt der Fokus auf solch traditionelle Einflussgrößen das Ausmaß der Neuausrichtung von Chinas Wirtschaft der vergangenen Jahre außer Acht.
Wie man an der nachfolgend aufgeführten Grafik erkennen kann, sind Schwerindustrie und Immobilien-/Infrastrukturbau seit einigen Jahren rückläufige Bereiche der chinesischen Wirtschaft. Der neue Wachstumstreiber ist der Dienstleistungssektor. Indikatoren wie Einzelhandelsumsätze, Telekommunikations-volumina und Personenverkehr weisen ein konstantes Wachstum auf. Dies gilt ebenso für Löhne, was die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen unterstützt.
Das „Neue China“ finden
Die Investmentstrategie von Barings ist darauf ausgerichtet, speziell von der sich verändernden Struktur der chinesischen Wirtschaft und der zunehmenden Bedeutung des Dienstleistungssektors zu profitieren.
Im Zuge des anhaltenden Prozesses der Urbanisierung und der Verbesserung der Umwelt in China sind Unternehmen interessant, die sich an die Regierungspolitik angepasst haben. Darüber hinaus bevorzugt Barings Firmen entlang der Wertschöpfungskette, die von dem steigenden Konsum und der zunehmenden technologischen Ausstattung profitieren, ebenso wie die Marken des „Neuen Chinas“, die mit den bekanntesten Namen mithalten können.
“Tencent und Lenovo sind jedem bekannt, aber unserer Einschätzung nach steht Unternehmen wie Geely Automobile, einem chinesischen Autohersteller mit Absatz in der EU, und dem Körper- und Hautpflegehersteller L’Occitane, der sowohl international als auch national gut positioniert ist, eine erfolgreiche Zukunft bevor.
Dies sind zwar nur zwei Beispiele, sie stehen jedoch stellvertretend für die gut geführten, modernen Unternehmen, die man mit einer gründlichen Recherche in China finden kann. Obwohl Automobil- und Konsumwerte in der jüngsten Volatilitätsphase übermäßig stark veräußert wurden, ist die Investitionsperspektive für viele dieser Unternehmen unverändert gut. Durch das aktuell niedrigere Bewertungsniveau bieten sie ein noch stärkeres Potenzial und unser Überzeugungsgrad für diese Investitionen ist unverändert hoch.”
Höheres Aufwärtspotenzial
Hierbei geht es allgemein um die Aktienkursbewertungen. Nach der Volatilitätsphase befindet sich der MSCI China Index wieder auf einem Niveau unterhalb des historischen Durchschnitts der letzten Jahre. Unter der Prämisse, dass sich die Investitionsperspektiven nicht fundamental verändert haben, sorgt diese Tatsache im Vergleich zum Jahresanfang für noch bessere Chancen.
Darüber hinaus berücksichtigt das aktuelle Bewertungsniveau nicht die verschiedenen Anreiz- und Reformmaßnahmen, die in den letzten Monaten von der Regierung angekündigt und durchgeführt wurden. Wenn diese Berücksichtigung finden, dürften die Aktienkursbewertungen unserer Einschätzung nach höher ausfallen. Des Weiteren erkennen wir infolge der jüngsten Volatilitätsphase Potenzial für eine bessere Wertentwicklung durch Titelselektion, da sich die Marktstimmung aufhellt und Anleger sich wieder an den Fundamentaldaten von Investitionen orientieren.
Yuan way or the other
“Auch die Entscheidung der chinesischen Währungsbehörden zur Abwertung des Yuan trug zur Besorgnis der Anleger bei, die diese Tatsache sogleich als ein weiteres Anzeichen für die zunehmende Schwäche der Wirtschaft aufnahmen. Zwar haben wir nicht vorhergesehen, wie plötzlich dieser Schritt kommen würde, jedoch war die Richtung nach der langen und nachhaltigen Abwertung keine Überraschung.
Wir sehen dies als Teil einer allmählichen Öffnung des Marktes und der Währung in China, während sich die Regierungsbehörden auf die Möglichkeit vorbereiten, dass der Yuan anderen Ländern im Kreis des Sonderziehungsrechts des Internationalen Währungsfonds Gesellschaft leisten wird, was symbolisch das Ansehen der Währung fördern würde. Kurzfristig gehen wir nicht davon aus, dass weitere umfangreiche Schritte unternommen werden.”
Laut der Analyse ist das Aufkommen einer weiteren Volatilitätsphase zwar nicht auszuschließen, man ist aber der Auffassung, dass der Ausblick für Qualitätsunternehmen des „Neuen Chinas“ besser ist, als es die jüngsten Bewegungen vermuten lassen, wobei auch die positiven Schritte der Regierung noch nicht berücksichtigt wurden. Dazu zählt die jüngste Entscheidung der chinesischen Behörden, die kurzfristigen Zinssätze zu senken und Liquidität in den Bankensektor zu pumpen, was den Markt zusätzlich unterstützen dürfte.
Bild-und Textquelle: Barings Asset Management